Welche besonderen Ansprüche stellen Embedded Systeme an die Gehäusetechnik?
Eingebettete Systeme sind in der Regel Teil einer größeren Anwendung und erledigen im Hintergrund anwendungsspezifische Aufgaben.Deren Bauteile bzw. Platinen benötigen ausreichend Einbauvolumen und Möglichkeiten zur komfortablen Integration von Steckern, Anschlussleitungen, Antennen uvm. Letzteres kann durch hochgezogene, plane Seitenflächen gelöst werden. Bei größeren Gehäusereihen sind die vorgesehenen Anschlussflächen meist zurückversetzt. Das hat nicht nur optische Gründe, sondern bietet auch noch einen gewissen Schutz der Anschlüsse bei der späteren Endanwendung.
Embedded-Systeme sind genau auf die Anwendung spezialisiert und verbrauchen dadurch weniger Energie. „Strom“ wird natürlich trotzdem benötigt, damit die Geräte funktionieren. Je nach Anwendungszweck geschieht dies über separate Zuleitungen oder eine interne Stromversorgung mittels Batterien/Akkus (von außen zugängliche Batteriefächer oder auf der Platine verbaut).
Welche Möglichkeiten bieten sich, um diese Ansprüche zu bedienen? (Form, Material, Bedienelemente etc.)
Grundsätzlich muss man festhalten, dass Gehäuse „Made in Germany“ über hochwertige Qualitäten und Funktionalitäten verfügen. Der höhere Preis gegenüber anderen Herstellern spiegelt sich in Produktform und Oberflächenqualität, mehreren Größen und Ausführungen je Baureihe sowie passendem Zubehör wider. Zudem können die Gehäuse über Jahrzehnte in gleicher Produktqualität geordert werden (Sicherheit vor der Markteinführung neuer Geräteserien mit lang ausgelegtem Produktzyklus).
Viele Pult-, Tisch-, Wand-, Handgehäuse und Werables verfügen außerdem über vertiefte Flächen zur Integration von Folientastaturen, Dekorfolien und sonstigen Bedieneinheiten. Die Verwendung moderner, gedeckter Farben gibt dem Kunden die Möglichkeit, aus dem Standardprodukt sein eigenes, individuelles Produkt zu kreieren.

Beispiele für Gehäuse mit vertieft liegenden Bedienflächen
Welche Features sind im Moment bei Gehäusen für Embedded Systeme besonders wichtig?
1. IP-Schutzklasse:
Oftmals ist ein gewisser Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit erforderlich. Daher sind Gehäuse mit hohen IP-Schutzklassen wie z.B. IP 65 (teilweise sogar höher) gefragt. Dies wird durch Nut- und Federverbindungen der Einzelteile gelöst und eine zusätzliche Dichtung, die in die Nut eingebracht wird und bei der Montage dann entsprechend abdichtet.
Bei Standardgehäusen kann die IP-Schutzklasse allerdings nur im „Rohzustand“ gewährleistet werden. Sobald Öffnungen, Bohrungen usw. eingebracht werden, muss das Endgerät vom Kunden selbst erneut getestet und ggf. zertifiziert werden.
2. Materialien:
Wichtig ist hier die Verwendung hochwertiger, sortenreiner und nach UL-gelisteter Kunststoffmaterialien. Je nach vorgesehenem Anwendungszweck der Gehäuse müssen sie ggf. auch über höhere Witterungsbeständigkeit sowie verbesserten Brandschutz verfügen (z.B. ASA+PC UL94 V-0 beim Evotec/Easystec).
3. Befestigungsmöglichkeiten:
Oft sind Möglichkeiten gefragt, die Gehäuse an der Wand, an Rohren, Schienen, Kabeltrassen oder direkt an Maschinen (z.B. für Gerätschaften in der Smart-Factory) zu befestigen. Hier eignen sich Gehäuse, die entweder direkt angeschraubt oder mit separaten Wandhaltern an ebenen Flächen (Wände, Decken, Maschinen, etc.) angebracht werden können. Für Maschinen machen in manchen Fällen auch Magnete als Befestigungselemente Sinn. Zur Montage an Rundrohren und Schienen gibt es auch robuste Gehäusereihen (Easytec /Mini-Data-Box), welche mittels außen liegenden Laschen schnell und einfach via Kabelbinder oder Bandschellen befestigt werden können

Befestigungsmöglichkeiten anhand außen liegender Laschen (Flansch)
Wann ist eine kundenspezifische Anpassung oder eine komplett kundenspezifische Entwicklung nötig?
Diese Entscheidung kann einzig und allein der Kunde treffen. Bei Standardgehäusen ist der Vorteil, dass sie bereits ab 1 Stück als Lagerware verkauft werden können – das ist aus Herstellersicht natürlich super. Allerdings können mit dem Standard nicht immer alle Anforderungen und Kundenwünsche abgedeckt werden. Hier kann mit kundenspezifischen Modifikationen (mechanische Bearbeitung, Lackierung, Bedruckung, Laserbeschriftung, EMV-Schutz und anderes mehr) schon einiges erreicht werden.

Modifikationsmöglichkeiten im hauseigenen Service-Center von OKW
Kalkuliert der Kunde mit einer entsprechend hohen Anzahl an Endgeräten und die Investition in eigene Werkzeuge ist für ihn somit rentabel, können kundenspezifische Entwicklungen durchaus Sinn machen. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit z.B. individuell entwickelte Einzelteile mit Teilen aus dem Standardbereich zu kombinieren und somit die Investitionssumme zu reduzieren.
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